Wer kennt das nicht: Der Nachwuchs dotzt mit dem großen Zeh minimal an eine abgerundete Kante, zieht aber eine Rotz-und-Wasser-Show ab, als wäre ihm mindestens ein erwachsener Elefant auf den Fuß getreten.
Ein Verhalten, das man in dieser reinen Form nahezu nur bei kleinen Kindern und Profifußballern findet.
Meine Erfahrung ist, dass das direkt mit der (erwarteten) Reaktion der Eltern zusammenhängt: Wer bei dem kleinsten Wehwehchen sofort losrennt, das Kind auf den Arm nimmt und sich mit bebender Stimme nach dem Wohlbefinden erkundigt (und vielleicht noch tröstende Gummibärchen herzaubert), muss sich nicht wirklich wundern, wenn das Kleine aus der Sache die maximale Aufmerksamkeitdosis herausholt.
Natürlich will man sein Kind immer trösten, auch wenn der Schmerz vielleicht nur eingebildet ist. Es liegt uns auch fern, kaltlächelnd neben dem weinenden Kind stehen zu bleiben. Aber es ist uns trotzdem wichtig, dass die Lautstärke-Schmerz-Relation stimmt. Daher versuchen wir aktiv, unseren Alltag zu ent-dramatisieren: Wir sagen also "Hoppala" bei harmlosem Hinfallen, fragen ablenkend "Hat sich die Puppe auch gestoßen?" und derlei Sachen. Und bremsen uns als Paar gegenseitig aktiv ein, wenn man gerade wieder dabei ist, mit übertriebenem Gestus auf Problemchen des Kindes einzugehen.
[Autor: Gunnar Lott]
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